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DSV Skiwacht - Immer im Einsatz

29.05.2011 | 14:23 Uhr

Auch an Tagen, an denen es im Skigebiet ruhig ist, arbeiten die DSV-Skiwacht und die Hundestaffel. Wir haben sie einen Tag lang auf der Zugspitze begleitet. 

Verführerisch funkeln die Schneekristalle im Sonnenlicht, der Himmel leuchtet in seinem schönsten Blau. Die nächtliche Kaltfront hat der Zugspitze 30 Zentimeter Neuschnee beschert und eisige Temperaturen gebracht. Minus elf Grad zeigt das Thermometer am Sonnalpin. Ein Skitag, wie man ihn sich schöner nicht wünschen kann. Thomas sieht diesem Freitag gelassen entgegen. „Viel wird heute wohl nicht passieren“, sagt der DSV-Skiwachtmann zu Dago, der im Bereitschaftsraum zu seinen Füßen liegt. Als hätte er jedes Wort genau verstanden, hebt der sechseinhalbjährige Rüde die Augen, deutet ein Schwanzwedeln an und lässt den Kopf wieder auf die Vorderpfoten sinken. 
Es ist Ende April, das Garmisch-Partenkirchner „Classic“-Skigebiet längst geschlossen und sieben von insgesamt zehn DSV-Skiwachtleuten der Region im Urlaub. Nur Thomas Heinfling und Hannes Doll, die Stammbesetzung des Zugspitz-Skigebiets, sowie Klaus Herbst vom „Classic“-Gebiet haben noch Dienst. 

In den letzten Wochen der Wintersaison ist auf der Zugspitze meist wenig los, ebenso am Saisonbeginn. In der Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, an Fasching, rund um Ostern und während Veranstaltungen dafür umso mehr. „Ab etwa 11 Uhr geht es dann los mit Unfällen. Oft passiert erst stundenlang gar nichts, und dann wird einer nach dem anderen abtransportiert“, erzählt Thomas. Vergangene Woche hätten sie sieben Einsätze in vier Stunden gehabt. Der diesjährige Tagesrekord liege bei 13 Verunglückten an einem Tag. Das klingt recht viel, aber Untersuchungen belegen, dass sich die Verletzungen im Skisport in den vergangenen 30 Jahren halbiert haben. 
Die Verletzungen hängen immer von den jeweiligen Bedingungen ab. Typischerweise sind meist das Knie, die Schulter oder der Oberarm betroffen. Bei vereisten Pisten können es auch mal Schnittwunden im Gesicht sein. Bei Snowboardern sind Hand- und Ellbogengelenkverletzungen häufig. Im Funpark gibt es auch Wirbelverletzungen und Schlüsselbeinbrüche. Selbst ein Milzriss sei schon vorgekommen, erzählt Thomas. Der Krüner ist seit 1981 aktives Bergwachtmitglied. In der Wintersaison arbeitet Thomas seit 19 Jahren hauptberuflich als DSV-Skiwachtmann, im Sommer ist er als Maler tätig. Wer bei der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) als hauptamtlicher DSV-Skiwachtmann angestellt werden will, muss bei der Bergwacht sein. 

Dago spitzt die Ohren und hebt den Kopf. Thomas’ Kollege Klaus Herbst kommt zur Tür herein. Klaus hat kontrolliert, ob alle Pistenbegrenzungspfosten stecken und die offenen Abfahrten gewalzt sind. Wichtigste Aufgabe der DSV-Skiwacht ist nämlich die Prävention, die Vermeidung von Unfällen. Wenn ein DSV-Skiwachtler als Erstversorger bei Unfällen tätig wird, handelt er als Bergwachtmann. Für diese Tätigkeit wird er von der DSV-Skiwacht freigestellt. Eine unsichtbare Verwandlung nur auf dem Papier, aber wichtig für die Abrechnung. Die geschieht über die Bergwacht und sichert ihr das Überleben. Hauptförderer der Stiftung Sicherheit im Skisport sind die ARAG-Versicherungsgruppe und die „Freunde des Skisports“. 
Klaus ist seit über 40 Jahren bei der Berg- und seit 1981 bei der DSV-Skiwacht. Außerdem ist er Chef der örtlichen Lawinenkommission Garmisch/Alpspitze und gräbt im Winter Schneeprofile im „Classic“-Skigebiet. Die Mitarbeit in der Lawinenkommission gehört nicht unmittelbar zum Aufgabenkatalog der DSV-Skiwacht. „Es wird aber gewünscht, dass ihre Mitglieder mit den ehrenamtlich tätigen Lawinenkommissionen eng zusammenarbeiten“, sagt Klaus. Er beugt sich zu Dago, streicht ihm kurz über den Kopf, sagt „servus, Dackel!“ und verschwindet wieder durch die Tür, „ins Sonnalpin – einen Kaffee holen“. Auf das Wort Dackel reagiert Dago gar nicht. Kein Wunder, außer einer guten Spürnase hat der Schäferhund mit einem Dackel nichts gemeinsam. Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Lawinen- und Rettungshund. Mit sechs Monaten kommen die Vierbeiner zur Hundestaffel. Dort werden sie spielerisch an ihre Aufgaben, wie Lawinen-, Weg-, Trümmer- und Flächensuche, herangeführt. Einmal pro Woche üben sie in der Gruppe. Jedes Jahr müssen Hund und Herrchen dann eine anspruchsvollere Prüfung (A, B und C) ablegen. Es folgen jährlich eine Sommer- und eine Winterprüfung. Die Hundeführer arbeiten alle ehrenamtlich. 
Hannes Doll kommt von einer Runde durch das Skigebiet zurück, zieht seine rote Jacke aus und setzt sich zu Thomas an den Tisch. Auch Klaus ist wieder da. Neben dem Kaffeebecher liegt ein Telefon auf dem Tisch. Jederzeit griffbereit. Auch die Funkgeräte sind immer in Reichweite. Im Regal steht ein weiteres Telefon. 
„Kommt ein Anruf, geht meist der los, der ihn entgegengenommen hat. Er weiß am besten, wo der Verletzte liegt“, erzählt Hannes. In der Regel kommen die An- oder Funkrufe vom Liftpersonal, das von Skifahrern alarmiert wurde. Häufig ruft auch die Rettungsleitstelle an. Ist der DSV-Skiwachtmann dann beim Verletzten, informiert er seine Kollegen darüber, was los ist und was er braucht. Im Zugspitz-Skigebiet führt der Weg ins Tal immer über das Sonnalpin. Von den umliegenden Pisten kommt man nur via Bergfahrt dorthin. Deshalb rückt die Skiwacht meist mit dem Skidoo aus. Auf dem modernen Motorschlitten haben Akia, alle wichtigen Geräte und auch Dago Platz. In Regionen, die für die DSV-Skiwachtmänner mit dem Skidoo schlecht erreichbar sind, zum Beispiel die Tiefschneehänge von „Klein-Kanada“, fahren sie mit Ski, Akia und Bergesack. Bekommen sie den Verletzten damit nicht heraus, fordern sie einen Helikopter an. 

„Wir verbringen viel Zeit im Bereitschaftsraum und warten auf einen Anruf“, sagt Thomas. Klaus führt aus: „Bist am Berg, ist’s verkehrt, bist unten, ist’s droben, bist droben, ist’s unten.“ Mit weiteren Pistenkontroll- und Präsenzfahrten vergeht dieser Tag im Nu. Nach Liftende brechen Klaus und Hannes zur Schlusskontrolle auf. Thomas widmet sich derweil dem Tagesbericht. Auch an einem Tag ohne Unfälle muss die Arbeit dokumentiert werden. Der Bericht ist schnell geschrieben. 
Es scheint, als hätte nur einer der Anwesenden heute nichts zu tun gehabt: Dago! Aber das täuscht. Für den Schäferhund beginnt die Arbeit, sobald er in das Tal zurückgekehrt ist. Dann wird er mit Thomas sein tägliches Trainingsprogramm absolvieren – damit er auch in Zukunft Leben retten kann. 

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