Tipps & Infos

Hinweise zum Skitourengehen auf Pisten

21.03.2013 | 12:43 Uhr

Das Skitourengehen boomt. Immer mehr Sportbegeisterte zieht es auf Tourenski in die Berge. Beliebter wird dabei auch das Aufsteigen und Abfahren auf gesicherten Pisten. Mitunter aber kommt es dadurch zu Konflikten zwischen Liftbetreibern, Skisportlern und Tourengehern. Der Deutsche Skiverband (DSV) und die "Stiftung Sicherheit im Skisport" (SIS) bemühen sich um ein gefahrloses und sicheres Miteinander von Pistenbetrieb und Skitourensport. 


Pistennutzung immer beliebter 
Ob es das Naturerlebnis während des Aufstiegs ist, der Reiz, eine eigene Spur an den Berg zu legen oder der Genuss von Pulverschneeabfahrten im Gelände: Immer mehr Skitourengeher lassen sich von diesem Sport begeistern. Der Trend geht aber nicht nur hin zur klassischen Form des Besteigens unberührter Berghänge. Mit zunehmender Anzahl nutzen Tourengeher für einen sicheren und einfacheren Aufstieg auch Pisten im organisierten Skiraum. Das schützt zwar vor den großen Gefahren des offenen Geländes, allen voran den Lawinen, dennoch wirft es zugleich andere, nicht weniger relevante Sicherheitsfragen auf. Auch das Tourengehen auf Skipisten birgt ein gewisses Risiko, sowie ein Konfliktpotenzial mit den anderen Skisportlern. Denn wer auf einer Piste abfährt, rechnet nicht unbedingt mit Gegenverkehr von unten. So erfordert der Skitourensport auch im organisierten Skiraum einen geplanten und aufmerksamen Aufstieg, bei dem bestimmte Verhaltensregeln berücksichtigt werden sollten, um Unfallrisiken zu minimieren. Der Deutsche Alpenverein (DAV) stellt seinen „DAV-Regeln für Skitouren auf Pisten“, die zusammen mit dem DSV erarbeitet wurden, außerdem voran: „Skipisten stehen in erster Linie den Nutzern der Seilbahnen und Lifte zur Verfügung!“ 

Verhaltensregeln reduzieren das Gefahrenpotenzial auf der Skipiste 
Obwohl die Anzahl der Tourengeher auf Skipisten weiter steigt, fährt der weitaus größte Teil der Wintersportler die präparierten Hänge nur abwärts ins Tal – es wird allgemein nicht mit aufsteigenden Personen gerechnet! Während die Gefahr eines Zusammenstoßes auf breiten übersichtlichen Pisten kleiner ist, bergen vor allem Engpassagen und Kuppen große Risiken. Tourengeher werden von den schnelleren Abfahrern oft erst spät gesehen. Deshalb ist besondere Vorsicht bei Kuppen geboten, die das gesamte Sichtfeld des Skifahrers einschränken, ebenso beim Queren der Pisten. Generell sind Querungen in unübersichtlichen Bereichen zu vermeiden. Von Begehungen gesperrter Pisten ist ganz abzusehen! Um Konflikte zu vermeiden und um Unfällen vorzubeugen, steigen Tourengeher grundsätzlich nur am Rand eines Hanges auf (FIS-Regel Nr. 7). Außerdem sollten die Personen einer Gruppe nur hintereinander laufen und nicht nebeneinander eine breitere Fläche der Piste in Beschlag nehmen. Werden diese Regeln befolgt, entstehen auch kaum Konflikte! 
Viele Skigebiete haben mittlerweile Aufstiegsspuren für Tourengeher eingerichtet. Diese Trassen sind in der Regel beschildert, ihnen sollte man folgen und sie nicht verlassen. Die präparierten Pisten in den Skigebieten dienen in erster Linie den sicheren Abfahrten der Skifahrer. Tourengeher müssen daher beim Aufstieg immer auf die entgegenkommenden Skisportler achten und sie nicht an der sicheren Ausübung ihres Sports hindern. 

Risiken und Konflikte nach Betriebsschluss der Liftanlagen 
Zusehends beliebter ist auch das Tourengehen am Abend, also in der Dunkelheit. Nach einem Arbeitstag suchen immer mehr Sportbegeisterte und Naturfreunde Ruhe und Entspannung bei der körperlichen Betätigung in den Bergen. Für einen schnellen und einfacheren Aufstieg wählen viele dabei die präparierten Hänge der gesicherten Pisten. Der Aufstieg fällt einerseits leichter, ist andererseits aber trotzdem nicht völlig gefahrlos! Gerade nach Betriebsschluss der Liftanlagen birgt das Betreten der Skipisten nämlich große Gefahren: Sobald die DSV-Skiwacht ihre letzte Kontrollfahrt durch das Skigebiet beendet hat, beginnen die Liftbetreiber mit der Präparierung der Pisten für den folgenden Tag. Die Schneeraupen werden dafür nicht selten an langen Stahlseilen gesichert. Kollidiert ein Abfahrer mit solch einem Sicherungsseil, besteht große Verletzungs- und Lebensgefahr. Ein trauriges Beispiel ist der Unfall eines Tourengehers am Jenner bei Berchtesgaden im Januar 2012, der die Seilwinde einer Pistenraupe übersehen und sich schwer verletzt hat. Gefahr geht aber auch von möglichen Lawinensprengungen aus. Sie werden meist außerhalb der Betriebszeiten vorgenommen, um Skifahrer nicht zu gefährden. Generell sollte aufgrund dieser besonderen Risiken auf das Tourengehen auf Skipisten in der Nacht verzichtet werden. 
Aber: Zahlreiche Skigebiete bieten an festgelegten Wochentagen Nachtaufstiege auf dafür ausgewiesenen Pisten an – darauf sollten sich Tourengeher beschränken, auch aus Rücksicht auf Wildtiere. Wenn man sich für eine Pistentour in der Dunkelheit entscheidet, beispielsweise für einen Hüttenabend, sollte unbedingt mit einer Stirnlampe und reflektierender Kleidung gelaufen werden. 

Gemeinsame Lösungsansätze von DAV und VDS 
Der Deutsche Alpenverein (DAV) und der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) haben eine gemeinsame Position zum Skitourengehen auf Pisten gefunden und sich auf einvernehmliche, zielführende Lösungen geeinigt: Gemeinsames Ziel ist es, in allen Skigebieten Aufstiegsmöglichkeiten für Tourengeher zur Verfügung zu stellen – vielerorts wurde dies bereits realisiert! Aufgrund der hohen Anzahl der Tourengeher, und damit einhergehend auch der wachsenden Gefährdung und Nutzungseinschränkung für die Abfahrer, kann es teilweise notwendig werden, Aufstiegsrouten und Abfahrtspisten strikt zu trennen. Dies hängt von der jeweiligen Situation in den Skigebieten ab. 
Regionen mit Handlungsbedarf gibt es insbesondere im Einzugsbereich Münchens. Zeitlich befristete Sperrungen von Pistenabschnitten, wie Engpassagen oder bestimmte Abfahrten, müssen in Einzelfällen in einigen Skigebieten vorgenommen werden, um das Gefährdungspotenzial so gering wie möglich zu halten. 

DSV und "Stiftung Sicherheit im Skisport" um friedliches Miteinander bemüht 
Der Deutsche Skiverband und die "Stiftung Sicherheit im Skisport" begrüßen die wachsende Beliebtheit des Skitourensports. Im Zuge dieser Entwicklung sind DSV und SIS um ein kooperatives und sicheres Mit- und Nebeneinander der Tourengeher und Skifahrer im organisierten Skiraum bemüht. 
Der DSV bittet Tourengeher, die präparierte und beschneite Skipisten für Aufstieg und Abfahrt nutzen, das auf den ausgewiesenen Routen zu tun – die in aller Regel im Pistenplan dargestellt und beschrieben sind und auf die meist zusätzlich an den Talstationen hingewiesen wird. Die FIS-Verhaltensregeln und die DAV-Regeln für Skitouren auf Pisten sollte jeder Tourengeher kennen und beachten! 

Der Tipp für Tourengeher 
Werden Sie Mitglied bei DSV aktiv mit dem Versicherungspaket BASIC, damit sind Sie und Ihre Ausrüstung versichert. Näheres unter: www.ski-online.de/skiversicherung.


Weitere Tipps & Infos: