Immer mehr Radfahrer greifen zum E-Bike! Was hat es mit diesem Trend auf sich? Wer nutzt die „elektrische Unterstützung“ und warum? Wir sprachen mit Andreas Weigl, dem Marketing-Manager von DSV-Partner und Radhersteller Corratec, über die Entwicklung des „E-Biken“.

DSV aktiv: Herr Weigl, wer mit dem Rad in den Bergen unterwegs ist, trifft immer mehr „motorisierte“ Gleichgesinnte. Kann man tatsächlich von einem „Trend E-Biken“ sprechen?

Andreas Weigl (Marketing-Manager Corratec): „Ja, E-Biken ist in den vergangenen Jahren definitiv zum Trend geworden! Früher wurde es eher zwiespältig betrachtet, doch Jahr für Jahr hat es sich weiter etabliert. Und das bezieht sich nicht nur auf die Berge: Auch auf den Straßen im Umland und in den Städten sieht man viele Räder mit „elektrischer Unterstützung“. Der Begriff „motorisiert“ suggeriert allerdings, dass der Fahrer selbst nichts tun muss. Das ist falsch: Auch beim E-Biken muss jeder seinen eigenen Teil dazu beitragen, um vorwärts zu kommen. Beim E-Biken wird man zwar „unterstützt“, aber man betreibt immer noch Sport!“

DSV aktiv: Wer greift im Radgeschäft denn zum E-Bike? Und welche Beweggründe stecken dahinter?

Andreas Weigl: „Die Gründe sind genauso vielfältig wie die Käufertypen, die sich längst nicht mehr auf eine gewisse Altersklasse beschränken. Auch immer mehr junge Radfahrer entscheiden sich für E-Bikes. Sogar Profisportler wie unsere Teamfahrer oder die DSV-Athleten nutzen sie. Je nach Alter und Fitness lassen sich die Gründe für die Kaufentscheidung differenzieren. Bei älteren Radfahrern reicht die Fitness vielleicht nicht mehr aus, um nach wie vor die gewohnten Touren mit einem herkömmlichen Rad zu fahren. Immer deutlicher werden aber auch die Vorteile im Alltag. Für all diejenigen, die zwar auf das Auto verzichten, aber nicht verschwitzt in die Arbeit kommen möchten, ist ein E-Bike eine gute Wahl. Es gibt vielerlei Gründe für den Kauf eines Fahrrads mit elektrischer Unterstützung.“

DSV aktiv: Profisportler auf dem E-Bike – passt das zusammen?

Andreas Weigl: „Auf jeden Fall! Unsere Teamfahrer nutzen die elektrische Unterstützung etwa, um Strecken mehrmals hintereinander fahren zu können. Sie können sich die Rennstrecken und Schlüsselstellen dadurch besser einprägen und dabei trotzdem Ausdauer und Koordination trainieren. Als DSV-Partner statten wir auch die DSV-Athleten mit Rädern aus. Einige Trainer nutzen das Angebot der Pedelecs unter anderem auch für die Begleitung bei Trainingsfahrten. Durch das E-Bike kann die eigene Anstrengung angepasst werden und muss der Trainer nicht voll am Limit fahren, um die Athleten richtig coachen zu können. Aber auch Athleten, etwa einige Skispringer, fragen bei uns Pedelecs an. Der Nutzen im Profisport lässt sich aber nicht auf einzelne Sportarten beziehen.“

DSV aktiv: Ob Profi oder Freizeitsportler, was macht für Sie die Faszination E-Biken aus?

Andreas Weigl: „Dass das Fahrradfahren wieder für eine viel größere Zielgruppe zugänglich geworden ist. Das ist meiner Meinung nach der größte Vorteil der E-Bikes: Mehr Leute gewinnen wieder Spaß am Radeln!
Außerdem bringt es viele wieder näher zusammen. Nehmen wir ein Beispiel: Die Familie macht einen Radausflug, Vater und Sohn preschen vorne weg, Mutter und Tochter möchten lieber gemütlich fahren. Die verschiedenen Unterstützungsstufen beim E-Bike ermöglichen es, dass alle gemeinsam Spaß haben und die gleiche Tour radeln, ohne dass einer unter- oder überfordert ist. Das gilt auch für Freunde oder Teamkollegen, die gemeinsam trainieren wollen, aber ein unterschiedliches Leistungsniveau haben. Oder für Paare, die gemeinsam eine schöne Zeit beim Sport verbringen wollen. Durch die E-Bikes können die Leistungsstufen aufeinander abgestimmt werden.“

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DSV aktiv: Für all diejenigen, die noch nie auf einem E-Bike saßen: Wie würden Sie das Fahrgefühl beschreiben?

Andreas Weigl: „Jedem, der noch nie auf einem E-Modell gesessen ist, würde ich dringend empfehlen, es baldmöglichst auszuprobieren. Auf unserer Homepage sind alle Händler aufgelistet, bei denen man Räder leihen und testen kann. Was einige vorher missverstehen: Man muss auf jeden Fall treten! Der große Vorteil ist, dass man das Niveau der Unterstützung individuell einstellen und anpassen kann. In der Regel gibt es vier Unterstützungsstufen: Eco, Tour, Sport und Turbo. Je nach Stufe werden gewisse Wattzahlen dazu geschaltet. Der „Turbo“ zieht richtig ab. Das zaubert den meisten Testern ein breites Grinsen ins Gesicht.“

DSV aktiv: Wie sieht es im Straßenverkehr aus? Sind E-Biker schneller unterwegs?

Andreas Weigl: „E-Bikes sind bis 25 Stundenkilometer begrenzt. Das heißt: Wenn der Fahrer dieses Tempo erreicht, schaltet die Unterstützung automatisch ab. Das ist in Deutschland sicherheitsbedingt gesetzlich so vorgeschrieben. 25 km/h schafft auch ein durchschnittlich Trainierter auf einem normalen Fahrrad recht locker. Deswegen sind E-Bike-Fahrer nicht unbedingt schneller unterwegs. Am Berg kann man seine Vorteile dafür umso mehr ausspielen.“

DSV aktiv: Worauf muss man beim Kauf eines E-Modells achten?

Andreas Weigl: „Der Anteil der E-Bikes am Gesamtmarkt wird immer größer. Es werden von den Händlern mittlerweile mehr Pedelecs angefragt als normale Räder. Für die Kaufentscheidung ist es enorm wichtig, dass die Verarbeitung passt. Wir arbeiten etwa mit Triple-butted-Rahmen, bei denen die Schichten am Steuerrohr, wo die Belastung besonders hoch ist, dreifach gelegt werden. Die Ausstattung des Rades muss an den Verwendungszweck, den Käufer und seine Ansprüche angepasst sein. Welches Modell das richtige ist, findet man nur in einem guten Gespräch mit einem Fachhändler heraus. Eine ausführliche Beratung sollte jeder vor einem Kauf nutzen.“

DSV aktiv: Was kann man in Sachen Weiterentwicklung in den nächsten Jahren erwarten?

Andreas Weigl: „Die Entwicklung im Bereich des elektrisch unterstützten Radfahrens ist enorm! Man kann die Situation mit den Anfangsjahren des Handys vergleichen, da gab es auch Jahr für Jahr ein neues Update. Was die Optik betrifft, gleichen sich E-Bikes immer mehr den „normalen“ Fahrrädern an. Die Integration des Motors ist ein großes Thema - insofern, als dass man das Pedelec als solches gar nicht mehr auf Anhieb erkennt. Wir als Hersteller sind dabei immer auch abhängig von den Zulieferern. Wir werden auf dem Markt in den nächsten Jahren noch einiges erleben dürfen.“

DSV aktiv: Herr Weigl, vielen Dank für das Gespräch!


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