Interview: Saisonwechsel in den Skigebieten – das steht jetzt in den Bergen an

19.04.2016 | 10:00 Uhr

Eine anstrengende, arbeitsintensive, aber auch positive Wintersaison 2015/16 geht zu Ende. Auf einen späten Wintereinbruch folgten traumhafte Skitage auf bestens präparierten Pisten. Sowohl in den höheren als auch in den tieferen Lagen wurden den zahlreichen Ski- und Snowboardfans Tag für Tag hervorragende Wintersport-Bedingungen geboten. Dafür sorgten die vielen Mitarbeiter der Liftbetriebe und Pistenanlagen mit großem Engagement und der eigenen Leidenschaft für den Skisport. Jetzt folgt der schnelle Wechsel zum Sommerbetrieb. Im Gespräch mit DSV aktiv erzählen die Betriebsleiter Alfred Spötzl (Nebelhorn), Martin Hurm (Zugspitze) und Thomas Liebl (Großer Arber) von den anstehenden Aufgaben nach dem Abschluss der Wintersaison.

DSV aktivDie Temperaturen steigen, die Tage werden länger und allmählich schalten auch die größten Skifans in den Sommermodus um. Wann strömen bei Ihnen die ersten Sommergäste auf den Berg?
Thomas Liebl (Großer Arber):
„Wir starten am 5. Mai in die Sommersaison. Seit 4. April, dem Montag nach den Osterferien, sind die Liftanlagen bei uns geschlossen. Wir konnten den Skibetrieb am Arber heuer um eine Woche bis zum „weißen Sonntag“ verlängern.“
Alfred Spötzl (Nebelhorn): „Wir haben auch einen Monat lang Zeit, alles auf den Sommermodus umzustellen und die Revisionsarbeiten abzuschließen. Der Skibetrieb lief bis zum vergangenen Wochenende. Am Pfingstsamstag öffnet die Nebelhornbahn wieder für die Wandergäste.“
Martin Hurm (Zugspitze):
„Wir haben da eine gesonderte Situation: Die Zugspitze hat 365 Tage im Jahr geöffnet. Die Wintersaison geht also nahtlos in den Sommerbetrieb über. Die Liftanlagen schließen bei uns traditionell am 1. Mai, bereits einen Tag später muss bei uns alles auf den Sommer eingestellt sein.“

DSV aktiv: Welches Saisonfazit können Sie bis dato nach dem Winter 2015/2016 ziehen?
Alfred Spötzl:
„Wir können grundsätzlich auf einen positiven Winter zurückblicken. Wichtig war für uns, dass wir um die Weihnachtsfeiertage herum gute Pistenverhältnisse bieten konnten. Ein guter Saisonstart in der Urlaubszeit ist sehr viel wert. Das schöne Wetter hat uns da natürlich in die Karten gespielt. Genauso wie die neue Beschneiungsanlage in der Mulde. Sie wurde im Herbst installiert und war gleich im ersten Jahr aufgrund der schwierigen Schneeverhältnisse eine sehr hilfreiche Investition.“
Martin Hurm: „Für uns alle war der Winterbeginn schleppend, auch bei uns oben. Bei dem späten Wintereinbruch waren wir durch die Höhenlage eher noch gesegnet. Unsere Pistenmannschaft war da ganz schön gefordert und hat viel Engagement gezeigt. Auch wenn die Saison allgemein nicht niederschlagsreich war, war es für uns dennoch ein guter, aber anstrengender Winter. Und zwar unter erschwerten Bedingungen: Wir arbeiten auf der Zugspitze nur auf und mit Naturschnee und verfügen über keine Schneeanlagen. Außerdem ist der Untergrund felsig, wodurch mehr Schnee nötig ist.“
Thomas Liebl:
„Wir konnten heuer durch den verspäteten Wintereinbruch leider erst am 6. Januar in die Wintersaison starten. Das letzte Mal war es im Winter 2002/2003 so spät in die Saison gegangen. Ähnliche ‚Spätstarter-Winter‘ gab es aber auch schon Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre. Der Februar und der März gehörten dann zu den besten Monaten der vergangenen Jahre. Sicher auch, weil ein gewisser Nachholbedarf wegen der schneefreien Weihnachtsferien bei den Skifahrern festzustellen war. Besonders erfreulich war, dass sich unser ‚ArBär-Kinderland‘ bei den Familien und Kindern einen sehr guten Namen gemacht hat. Wir haben Gäste – und das glaubt man kaum –, die kommen sogar aus Österreich zum Arber, eben wegen unserem ‚ArBär-Kinderland‘. Auch wir können also positiv auf die Saison zurückblicken.“

DSV aktiv: Jetzt gilt es, den Winter endgültig hinter sich zu lassen und alles möglichst schnell auf den Sommer einzustellen. Welche Aufgaben stehen nach Betriebsende an den Liftanlagen und im Skigebiet an?
Martin Hurm:
„Eine ganze Reihe an unterschiedlichsten Aufgaben steht nach der langen Wintersaison auf dem Programm. Manche Revisionsarbeiten können eine Weile warten: Alles, was unter dem Dach der Seilbahnstationen stattfindet, kann auch bei schlechtem Wetter passieren. Wichtig ist es, dass der Sommerbetrieb gleich am nächsten Tag losgehen kann: Die Winter-Beschilderung, die Absperrungen und Sicherheitszäune müssen möglichst schnell abgebaut und liegen gebliebenes Gäste-Equipment eingesammelt werden. Parallel bringen wir die Hinweistafeln und -schilder für die Stationen unseres GletschErlebnisWegs an. Weil wir auf dem Schnee besser an die Schleppliftanlagen kommen, werden diese als Erstes revisioniert. Außerdem müssen die Gletscherstützen mit Schnee eingeschoben werden, damit sie nicht seitlich wegrutschen oder umkippen können, wenn es taut.“
Thomas Liebl:
„Darüber hinaus werden alle Revisionsarbeiten an den Pistenraupen durchgeführt. Vom simplen Ölwechsel und dem Einstellen des Hydraulikdrucks über die Raupenkettensanierung bis zum Windenseiltausch und dessen Kürzung. Die Checkliste des Herstellers ist lang und wird ähnlich einer kompletten Kundendienstinspektion eines LKWs durchgeführt.“
Alfred Spötzl:
„Richtig. Eine Verschnaufpause nach dem Winter gibt es für uns nicht. Wir haben genau vier Wochen Zeit für alle Revisionsarbeiten. Der Fokus liegt da auf den Bahnen, die im Sommer wieder in Betrieb sind. Es gibt ganz klare gesetzliche Vorgaben, an die wir uns bei den Betriebs- und Wartungsarbeiten halten müssen – genaue Prüfintervalle für die Seile, anstehende Fahr- und Bremswegproben. Jedes halbe Jahr wird das gemacht und läuft sehr technisch ab. Dazu kommen viele kleinere Arbeitsschritte, wie zum Beispiel das Anbringen des Blitzschutzes und das Ausstellen der Heizungen. Auch die Gastronomie muss sich auf die Sommergäste vorbereiten: Nach der Wintersaison steht der Großputz an und hier und da auch Ausbesserungs- und Malerarbeiten oder kleine Umbaumaßnahmen.“
Thomas Liebl: „Neben diesen Arbeiten, sorgt das Pistenteam dafür, dass die Wanderwege ab Mitte April wieder eis- und schneefrei sind, damit die Gäste sicher zum Arber-Gipfel kommen. Auch wir brauchen diese befahrbaren Wege zu den Bergstationen der Seilbahnen und zu den Berg-Gastronomiebetrieben, weil eben gleichzeitig unsere Seilbahnmannschaft alle notwendigen sicherheitstechnischen Revisionsarbeiten an den Seilbahnen durchführt. Währenddessen würden wir ohne die Fahrwege nicht auf den Berg kommen.“

DSV aktivWie laufen die Revisionsarbeiten denn konkret ab?
Thomas Liebl:
„Bei den Seilbahnen geht das vom sogenannten ‚Abschmieren‘ der Strecke und der Rollenbatterien bis hin zum Wechsel der Seilrollen und Seilrollenlager. Neues Fett wird zur ordnungsgemäßen Schmierung eingeführt, damit das über den Winter eingedrungene, eher schädliche Wasser entweichen kann. Die zwei redundant funktionierenden Bremssysteme bei den Seilbahnen werden zerlegt und umfassend kontrolliert, Beläge gewechselt und neu zusammengebaut. Nach dieser Wintersaison stehen auch die Seilklemmen zur Revision an, die die Kabinen mit dem Seil verbinden. Alle diese sicherheitstechnisch wichtigen Arbeiten werden dokumentiert und in einem technischen Bericht zusammengefasst, der der Seilbahnaufsicht zukommt. Außerdem werden alle Skiköcher von den Gondeln entfernt, damit das Einsteigen in die Gondeln für die Sommergäste deutlich leichter wird.“
Martin Hurm: „Man kann die Revisionsarbeiten an den Liftanlagen ganz gut mit einem Grundcheck des eigenen Mountainbikes vor dem Start der Radsaison vergleichen. Alles wird auseinander genommen, aufs Kleinste betrachtet und auf Sicherheitsmängel geprüft. Ist der Bügel beim Schlepplift irgendwo eingerissen? Gibt es scharfe Kanten? Ist das Seil in Ordnung? Sind die Seilrollen der Kuppelbahn noch dick genug? Läuft das Seil einwandfrei in der richtigen Spur? Alles wird noch im Frühjahr so hergerichtet, dass wir bereits im Herbst vorbereitet und zum Winterstart direkt einsatzbereit sind.“

DSV aktivAm Nebelhorn und auf der Zugspitze können Wintergäste ein ganz besonderes Highlight buchen: Eine Übernachtung im Iglu. Was passiert den Sommer über mit den Schneehütten?
Alfred Spötzl:
„Wir haben am Nebelhorn zwei große Iglus, die als Speisesaal und Bar genutzt werden, und zwölf kleinere Schneehütten, in denen unsere Gäste übernachten können. Sowohl die kleinen als auch die zwei großen Iglus bleiben über den Sommer stehen. Aus Sicherheitsgründen müssen wir sie aber gut absichern. Vor allem der Kaminauslass muss abgezäunt werden, damit niemand hineinklettern oder -stürzen kann. Zum Iglu-Dorf gehören auch ein Whirlpool und eine WC-Anlage, die beide über die Sommermonate abmontiert werden.“
Martin Hurm:
„Bei uns werden die Iglus zur Sicherheitsmaßnahme abgebrochen, damit niemand auf den nicht mehr gesicherten Anlagen herumrennen kann. Dieser Schnee wird für unsere Sommerrodelbahn zusammengetragen. Auf ihr können unsere Gäste den ganzen Sommer über auf echtem Schnee rodeln.“

DSV aktivStehen über die Sommermonate auch Umbaumaßnahmen in den Skigebieten an?
Alfred Spötzl:
„Die Gipfelhütte, wie wir sie kennen, wird bald Geschichte sein. Wir bekommen am Nebelhorn bis zur kommenden Wintersaison ein neues Gebäude an unserer Gipfelstation. Die Bauarbeiten werden sich über den ganzen Sommer ziehen.“
Martin Hurm:
„Auch wir stecken mitten in einem Großprojekt: Seit vergangenem Sommer laufen bei uns die Bauarbeiten an der neuen Eibsee-Seilbahn. Sie ersetzt die über 50 Jahre alte Pendelbahn und soll im Dezember 2017 in Betrieb gehen. Die Bauarbeiten laufen parallel zu den anstehenden Revisionsarbeiten auf Hochtouren weiter.“
Thomas Liebl:
„Kleinere Projekte gibt es Jahr für Jahr immer wieder. Zum Beispiel müssen alle Parkplätze neu instand gesetzt werden. Sie sind bei uns nicht asphaltiert und so ein langer Winter setzt den Parkplätzen wegen den regelmäßigen Schneeräumarbeiten, dem Wechsel zwischen Eis- und Tauwetter und den leider immer wieder vorkommenden Beschädigungen durch ‚Schleuderfahrten‘ sehr zu.“

DSV aktivEine persönliche Frage zum Schluss: Auf was freuen Sie sich nach der langen Saison am meisten?
Martin Hurm:
„Ich freue mich nach jeder Wintersaison auf den Sommer. Nach sechs Monaten hab ich dann auch mal selbst genug vom Skifahren. Der Wechsel macht den Reiz aus. Auch unsere Gäste ändern sich komplett. Während im Winter vor allem sportliche Skifahrer unterwegs sind, kommen im Sommer auch die klassischen Gäste, für die Deutschlands höchster Berg in erster Linie eine Touristenattraktion ist. Sie stehen mit großen Augen und einem Lächeln oben am Gipfel und sind begeistert von der weiten Aussicht.“
Alfred Spötzl:
„Ich freue mich, wenn der Druck der großen Verantwortung im Frühjahr wegfällt. Als Betriebsleiter ist man den ganzen Winter doch recht angespannt. Die Verantwortung ist ja enorm: Wir beurteilen auch die Lawinengefahr, müssen bis zum letzten Tag hochkonzentriert sein und die Augen immer offen halten. Auch wenn es im Tal bereits frühlingshaft ist, müssen wir oben am Berg den immer noch bestehenden Gefahren des winterlichen Hochgebirges täglich professionell begegnen. Die Arbeit im Winter ist von äußeren Einflüssen abhängig. Im Sommer warten andere Herausforderungen, die aber planbarer sind. Deswegen natürlich nicht weniger schön!“
Thomas Liebl:
„Wir dürfen ja dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Ich freue mich nach der Wintersaison auf die schönen Dinge, die der Sommerbetrieb mit sich bringt. Wir sind am Arber nicht nur ein Skiberg, sondern mittlerweile auch ein ‚Berg der Liebe‘ geworden. Pro Jahr finden über 50 Hochzeiten im höchsten Standesamt des Bayerischen Waldes in der Eisensteiner Hütte statt. Außerdem sind wir mit unserer ‚Arber-Kuschelgondel‘ auf großen touristischen Messen unterwegs. Auf diese Aufgaben und etwa auch die Jugendgruppen und unsere Schulklassen-Führungen hinter die Kulissen unseres Bergbahnbetriebes freue ich mich jetzt schon sehr.“

Vielen Dank für das Gespräch.


Weitere Tipps & Infos:


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