Skiknigge: Benimmregeln fürs Skifahren

10.12.2015 | 15:00 Uhr

Die gute Nachricht vorweg: Die Skiunfallzahlen sind weiterhin rückläufig und Skifahren wird damit statistisch gesehen immer sicherer. Doch trotzdem kann immer noch eine Vielzahl von Unfällen durch rücksichtsvolles, umsichtiges Verhalten vermieden werden. Große Liftanlagen befördern kontinuierlich eine maximale Personenanzahl in die Skigebiete – die Pisten werden voller und jeder einzelne Skifahrer dadurch noch mehr gefordert. DSV aktiv zeigt auf, mit welchen Maßnahmen jeder Wintersportler zu mehr Sicherheit im Skisport beitragen kann.

Die FIS-Verhaltensregeln
Anders als im Straßenverkehr existieren für die Piste keine gesetzlich festgelegten Regelungen. Als Maßstab für rücksichtsvolles Verhalten dienen jedoch die FIS-Verhaltensregeln, die unter anderem vom Juristischen Beirat des DSV entwickelt wurden. Sie sind als Norm anerkannt und werden vor Gericht für die Urteilsfindung herangezogen. Die gegenseitige Rücksichtnahme ist dabei am wichtigsten!

1. Rücksicht auf die anderen Skifahrer und Snowboarder
Skifahren ist ein Gemeinschaftssport. Tausende Wintersportler befinden sich an einem strahlenden Wintertag in den großen Skigebieten. Besonders am Wochenende und in den Ferien müssen wir die Pisten mit vielen Gleichgesinnten teilen. Da sollte es sich von selbst verstehen, dass jeder Skifahrer oder Snowboarder so rücksichtsvoll fährt, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt. Das Verhalten der anderen Wintersportler muss immer beobachtet werden. Der eigene Fahrstil muss stets angepasst und es muss mit einem notwendigen Abstand gefahren werden.

2. Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen. Das Fahrtempo sollte beim Skifahren stets dem Können entsprechen, um auch bei unvorhergesehenen Situationen wie Eisplatten, Bodenwellen oder Behinderungen durch andere Skifahrer noch rechtzeitig vorbeisteuern oder bremsen zu können.

3. Wahl der Fahrspur
Der von hinten kommende Skifahrer und Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet. Dafür muss er die anderen Pistenteilnehmer, ihr Verhalten und ihre Fahrspur, stets gut beobachten und entsprechend handeln.

4. Überholen
Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder von links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt. Jeder sollte so fahren, dass er andere Wintersportler, insbesondere Anfänger, nicht überrascht oder verschreckt und damit vom eigenen Fahrverhalten ablenkt.

5. Einfahren und Anfahren und hangaufwärts Fahren
Jeder Skifahrer und Snowboarder, der in eine Skiabfahrt einfahren, nach einem Halt wieder anfahren oder hangaufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann. Die bereits fahrenden Skisportler haben immer Vorfahrt.

6. Anhalten

Jeder Skifahrer und Snowboarder muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder Snowboarder muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen. Angehalten werden kann stets am Rand der Piste, nicht jedoch unmittelbar hinter Kuppen oder Kurven. Sind Skisportler in einer Gruppe unterwegs, müssen sie sich beim Anhalten hintereinander am Pistenrand aufstellen, nicht nebeneinander.

7. Aufstieg und Abstieg

Ein Skifahrer oder Snowboarder, der aufsteigt oder zu Fuß absteigt, muss den Rand der Abfahrt nutzen. Fahrende Skisportler haben stets Vorfahrt. Insbesondere an engen, unübersichtlichen Stellen ist Vorsicht geboten.

8. Beachten der Zeichen
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss die Markierung und die Signalisation beachten. Das gilt im besonderen Maße für die Lawinenwarnleuchte. Leuchtet diese rot, herrscht mindestens die Lawinenwarnstufe 3. Wintersportler dürfen die gesicherten Pisten dann keinesfalls verlassen. Ebenso wichtig: die Achtung der Naturschutzzonen. Eine Missachtung kann mit hohen Geldbußen einhergehen.

9. Hilfeleistung
Bei Unfällen ist jeder Skifahrer und Snowboarder zur Hilfeleistung verpflichtet. Das gebietet nicht nur ein gegenseitiges rücksichtsvolles Miteinander sondern auch das Gesetz. Die wichtigsten Maßnahmen nach einem Unfall: Unfallstelle absichern, organisierte Bergrettung alarmieren, Erste Hilfe leisten, Ruhe bewahren und ausstrahlen.

10. Ausweispflicht

Jeder Skifahrer und Snowboarder, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben. In den Skigebieten besteht Ausweispflicht. Der Personalausweis kann aber auch zum eigenen Vorteil werden: Die meisten Skigebiete bieten Ermäßigungen für Schüler und Studenten, für Personen mit körperlicher Beeinträchtigung sowie ab gewissen Altersstufen. Das Vorzeigen des Passes zahlt sich oft also aus.

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Extra: Der DSV-Skiknigge

Die wichtigsten Do`s und Don`ts werden in den Verhaltensregeln des Internationalen Skiverbandes festgehalten. Dennoch gibt es darüber hinaus einige weitere Benimmregeln, die zum sicheren Skisport beitragen.

Ski richtig tragen
Für viele gar nicht so selbstverständlich: Wie trage ich meine Ski? Werden die Ski geschultert, müssen die Skispitzen stets nach vorne zeigen! Mit waagerecht getragenen Ski befördern Skisportler immer auch ein großes Hindernis. Es ist stets darauf zu achten, andere Personen oder Sachgegenstände wie Autos durch rasantes Umdrehen nicht zu gefährden. Eine kleine Bewegung mit dem Kopf reicht aus, um die Ski in die verschiedenen Richtungen zu schwenken. Aufgrund der erhöhten Verletzungsgefahr sollten die Ski innerhalb geschlossener Gebäude oder bei größeren Menschenansammlungen wie etwa am Lift immer senkrecht am Körper getragen werden. Übrigens: Auf dem Autodach gehören die Skispitzen nach hinten!

Lift fahren
In den großen Skigebieten gewährleisten moderne Liftanlagen, dass kontinuierlich hunderte Wintersportler schnell und bequem auf die Pisten kommen. Doch die 4er- und 6er-Sesselbahnen zahlen sich nur aus, wenn auch mehr als zwei Personen Platz nehmen. Es sollte stets die maximale Anzahl an Plätzen ausgenutzt werden. Übrigens: Es kann auch ganz nett sein, mit fremden Skifahrern zu lifteln. Es muss nicht immer auf alle Freunde gewartet werden – das hält unter Umständen den Verkehr auf und erhöht auch die eigene Wartezeit unnötig. Auch beim Anstehen ist Rücksicht gefordert: Drängeln ist unsportlich und verkürzt die Wartezeit nur minimal.

Skisport in der Gruppe
Für alle Wintersportler, die in der Gruppe unterwegs sind, gilt: Der Schwächste gibt immer das Tempo vor! Regelmäßiges Warten am Pistenrand gibt den langsameren Skisportlern die Zeit, im eigenen Tempo zu fahren. Auch ihnen sollten dabei aber Verschnaufpausen gegönnt werden. Also: Nicht gleich weiterfahren, sobald der Letzte der Gruppe angekommen ist. Allgemein gilt: Um den Fahrspaß für alle zu erhöhen, empfiehlt es sich, in nicht zu großen Gruppen zu fahren.

Rücksichtsvolles Verhalten

Im Alltag wie auf der Skipiste gleichermaßen gültig: ein rücksichtsvolles Miteinander zahlt sich aus! Es gehört nicht nur zum guten Ton, sondern ist auch gesetzlich gefordert, gestürzten Personen Hilfe anzubieten und zu leisten. Auch bei leichten Stürzen, die keine Erste Hilfe erfordern, sollten Wintersportler nicht unbeirrt weiterfahren, sondern stets helfen: gelöste Ski zurückbringen, nach dem Befinden erkundigen und beim Aufstehen Hilfestellung bieten. Der Gestürzte wird es immer danken - und dem Helfer selbst gibt es auch ein gutes Gefühl!

Weitere Informationen im Netz
Neben den FIS-Verhaltensregeln für Skifahrer und Snowboarder, die auf Pisten und Loipen für Sicherheit sorgen, stellt der DSV auch Tipps zum richtigen Verhalten beim Liftfahren und gegenüber Pistenraupen sowie im Umgang mit der Umwelt bereit. Die FIS-Verhaltensregeln und sämtliche DSV-Tipps mit dazugehörigen Skitty-Illustrationen finden Wintersportler hier.


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