Mehr Sicherheit auf Deutschlands Pisten – Prädikat GEPRÜFTES SKIGEBIET

07.10.2015 | 13:06 Uhr

Auf Initiative der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS), des Deutschen Skiverbandes und DSV aktiv/Freunde des Skisports (FdS) in Kooperation mit dem Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) wurde in der Saison 2009/2010 das Prädikat GEPRÜFTES SKIGEBIET (PGS) eingeführt. Fünf Jahre nach dem Start des Labels blicken SIS, FdS und DSV sowie die zertifizierten Skigebietsbetreiber auf eine Erfolgsgeschichte zurück.

Mehr Sicherheit im öffentlichen Skiraum

Die Prädikatsvergabe zielt darauf ab, den Skibetrieb in deutschen Gebieten noch sicherer zu machen und eine wertvolle Orientierungshilfe zu bieten. Der hervorragende Zustand der Pisten wird damit gewährleistet. Die zertifizierten Skigebietsbetreiber haben die Prüfkriterien erfüllt und alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen, bei der Erfüllung ihrer Verkehrssicherungspflicht nichts zu versäumen. Durch die Beteiligung der DSV-Skiwacht als ständiges Kontrollorgan in den zertifizierten Skigebieten erfolgt eine jährliche Bestätigung der Richtlinien. Das Prädikat GEPRÜFTES SKIGEBIET wird für drei Jahre vergeben, danach muss das Zertifikat erneuert werden.

Nach fünf Jahren sind die großen und viele kleinere Skigebiete in Deutschland zertifiziert: Arber, Bad Hindelang, Belchen, Feldberg, Fellhorn/Kanzelwand, Garmisch Classic, Haldenköpfle, Hochfelln, Hohenbogen, Jenner, Nebelhorn, Nesselwang, Oberstaufen, Pisten der Brauneck-Bergbahn GmbH, Schöneck, Skihalle Neuss, Söllereck, Todtnauberg und Zugspitze.

Umfassende Sicherheitskriterien
Wer das PGS beantragt, muss sich einer Skigebietsprüfung unterziehen. Alle Pisten werden unter die Lupe genommen und nach einem vor Ort angepassten Katalog von Prüfkriterien unterzogen. Die erfassten Daten werden analysiert, abschließend spricht die Prüfkommission eine Empfehlung aus. Sind alle Vergabekriterien, die auf dem Praxishandbuch „Recht und Sicherheit im organisierten Skiraum“ basieren, erfüllt oder aufgetretene Mängel beseitigt, wird das Prädikat für den Zeitraum von drei Jahren vergeben. Die Einhaltung der Prüfkriterien wird während dieses Zeitraums durch die DSV-Skiwacht kontrolliert.

Die Prüfkreterien sind:

Pistenleitsystem
1) Orientierung
• Pistenpläne und Panoramatafeln sind einheitlich zu gestalten und müssen übereinstimmen.
• Pistennummerierungen und Klassifizierungen (blau, rot, schwarz) müssen an allen Pisten des gesicherten Skiraums vorhanden sein.
• Der offizielle Lawinenlagebericht der zuständigen Lawinenwarnzentrale muss als tagesaktueller Aushang oder als Auslage gut zugänglich sein.

2) Pistenrandmarkierung auf allen Skipisten
Der Pistenrand muss durch Randmarkierungen deutlich erkennbar sein, besonders an neuralgischen Punkten wie Kreuzungen, Pistengabelungen oder Überschneidungen mit Skiwanderwegen, Rodelbahnen u. a. m.

3) Beschilderung der Gefahrenstellen
Auf alle Gefahrenstellen im gesicherten Skiraum ist mit einer gesonderten Beschilderung hinzuweisen. Gefahrenstellen sind zum Beispiel Liftkreuzungen oder schlecht einsehbare Geländeübergänge.

4) Sicherung versteckter Gefahrenstellen
Schneeerzeuger, Schneefangzäune (fest installierte und temporäre), Betonfundamente der Liftstützen oder ander Gegebenheiten, die aufgrund ihrer Position eine atypische Gefahr darstellen, sind zu vermeiden oder so abzusichern, dass das Gefahrenpotenzial möglichst gering ist.

5) Pistenführung im Skigebiet
Weit verbreitet für die Pistenführung sind Pfeilmarkierungen, auf deren gute Sichtbarkeit zu achten ist.

6) Pistenrandbereiche sichern
Die Randbereiche der Pisten sind von Gefahren wie spitzen Ästen, Wurzeln, Steinen u. a. m. zu befreien.

7) Letzte Kontrollfahrt im Skigebiet
Im Skigebiet sind Hinweise auf den Zeitpunkt der letzten Kontrollfahrt im Skigebiet zu positionieren.

8) Kennzeichnung aller Trassen
Im gesicherten Skiraum sind Skipisten, Skiwanderwege, Winterwanderwege, Loipen, Rodelstrecken, Aufstiegsbereiche für Tourengeher u. a. m. deutlich voneinander unterscheidbar zu kennzeichnen.

Einzelheiten zu den Skipisten
Im Rahmen der Prüfung werden alle Pisten des Skigebiets oder der Skihalle analysiert. Die Betreiber erhalten detaillierte Pistenbeschreibungen mit Hinweisen auf vorhandene Gefahrenstellen beziehungsweise einen Maßnahmenkatalog, der für die Zuteilung des Pistengütesiegels umzusetzen ist.
Neben Sicherheitsfragen wird auch die Klassifizierung einer Piste überprüft (Schwierigkeitsgrade blau/rot/schwarz) und geklärt, ob bestimmte Pistenbereiche als Skiroute oder Aufstiegsbereich für Tourengeher gekennzeichnet werden können. Geprüft wird auch, ob die Freibereiche und Außenbereiche vor Skihütten ausreichend kenntlich gemacht und gesichert sind.

Orientierung im Skigebiet
• Die Telefonnummern der DSV-Skiwacht beziehungsweise der Bergwacht sind im Skigebiet an exponierten Stellen gut sichtbar zu positionieren. Außerdem müssen die Notfallnummern auch auf dem Pistenplan und auf den Panoramatafeln stehen.
• Die FIS-Verhaltensregeln sind deutlich ersichtlich im Skigebiet zu positionieren.
• Das Pistenleitsystem mit Pistennummern u. a. m. muss im gesamten Skigebiet, auf den Pistenleittafeln und den Pistenplänen übereinstimmen.

Organisation
• Ein Organisationsplan mit den Verantwortungsstrukturen aller Beteiligten muss von Seiten des Betreibers vorliegen.
• Die DSV-Skiwacht muss in das Skigebiet eingebunden sein.
• Mit der Beantragung des Prädikats müssen seitens der Betreiber zwei für die Einhaltung der Gütekriterien zuständige Ansprechpartner benannt werden.

Anhang
Neben einer genauen Beschreibung aller Prüfkriterien erhalten die untersuchten Skigebiete oder Skihallen von der Prüfkommission auch eine generelle Einschätzung über den Zustand des Skigebiets. Besonderheiten werden beschrieben, Empfehlungen ausgesprochen oder auch Auflagen gemacht.
Diese Beschreibung endet mit der Zuteilung des Prädikats GEPRÜFTES SKIGEBIET oder einer schriftlichen Begründung, warum die Prüfkommission vor der Siegelverleihung eine erneute Untersuchung des Skigebiets verlangt.

Vertrauen aufbauen und an Eigenverantwortung appellieren
Das PGS ist das Vertrauenssignal für den Skifahrer: Es garantiert die Strukturen eines modernen Skigebietes und alle objektiven Voraussetzungen für sicheren Pistengenuss. Eine gut durchdachte Pistenführung verhindert Stau und Kollisionen. Der Skifahrer kann sich bei den zertifizierten Skigebieten darauf verlassen, dass im Bereich der Pistenorganisation und Sicherheitsmaßnahmen alles getan wurde, um den Skitag zum Genuss werden zu lassen.

Auch wenn die Rahmenbedingungen für einen sicheren Skitag perfekt sind, muss jeder Skifahrer selbst etwas dazu tun: Um das Unfallrisiko zu minimieren, müssen, wie im Straßenverkehr, auch auf der Piste Regeln eingehalten werden. Vor allem sollte die Pistenwahl entsprechend dem technischen Können und der Kondition getroffen werden. Wer das Jahr über nur unregelmäßig Sport betreibt, sollte mit halben Skitagen beginnen oder viele Pausen machen, damit sich der Körper zwischen den Abfahrten erholen kann – körperliche Ermüdung und die daraus resultierende Reflexverzögerung sind häufige Unfallursachen. Auch das Tempo muss an die Beschaffenheit der Abfahrt und die Dichte der Skifahrer angepasst werden. Dass während des Pistenvergnügens kein Alkohol konsumiert wird, versteht sich von selbst – gegen ein Après-Ski im Tal ist dagegen nichts einzuwenden.

Versicherungsschutz checken!
Wenn trotzdem etwas passiert, sind die Helfer der Berg- und DSV-Skiwacht in PSG-zertifizierten Skigebieten schnell zur Stelle. Manchmal lässt sich eine Rettung per Helikopter nicht vermeiden, diese wir jedoch nicht von der Krankenversicherung getragen. Eine Versicherung für diese Fälle bietet zum Beispiel eine DSV aktiv-Mitgliedschaft. Mehr Information finden Sie hier.


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