Anfang Mai beendeten die letzten Bergbahnen in Deutschland den Winterbetrieb. Mit den winterlichen Verhältnissen über und nach Ostern geht damit eine gute Wintersaison 2016/2017 zu Ende. DSV aktiv nutzt den Abschluss der Saison, um ein Resümee des Winters in Bezug auf Wetterverlauf, Schneelage und Lawinengefahr in den Alpenländern zu ziehen.

Trockene, sonnige Wintermonate

Insgesamt war es ein schneearmer, kurzer Winter mit wenigen Lawinenopfern.
Nach Auskunft der MeteoSchweiz und des Deutschen Wetterdienstes zeichnete sich der Winter 2016/2017 vor allem dadurch aus, dass er außergewöhnlich trocken, sehr sonnenscheinreich und etwas zu mild war. Grund dafür war die häufige Hochdruck-Wetterlage mit trocken-kalter Luft. Im vergangenen Winter gab es nur etwa 64 Prozent des sonst üblichen Niederschlags. Anstelle von 181 Litern pro Quadratmeter (l/m²) fielen nur etwa 115 Liter. Erst Mitte Februar erreichten einige Tiefdruckgebiete mit kräftiger westlicher Strömung Mitteleuropa, die feuchtere aber auch frühlingshafte Luft heranführten.

Wechselhafte Schnee- und Wetterbedingungen

Zur Freude vieler Wintersportler fiel in den Bergen bereits Mitte November viel Schnee. Doch diese Freude hielt nicht lange an, denn die zahlreichen Föhntage Ende November und Anfang Dezember ließen den Neuschnee schnell wieder schmelzen. Es folgte ein extrem trockener und schneearmer Dezember. In vielen Wintersportorten gab es grüne Weihnachten. Im Januar fiel endlich der ersehnte Schnee, der zwar nicht so üppig wie im Vorjahr ausfiel, aber aufgrund der kalten Temperaturen wochenlang liegen blieb. Erst Anfang März gab es größere Schneemengen. Weil aber die Temperatur für diese Jahreszeit zu hoch war, schmolz der Schnee schnell ab. Eine durchgehende Schneedecke gab es nur an wenigen Tagen und das auch nur in Hochlagen. Ab Mitte April kam der Winter in Form von massiven Schneefällen und Kälteeinbrüchen zurück.

Niederschlag

Einem außergewöhnlich regen- und schneearmen Dezember folgte ein äußerst trockener Januar. Mitte Februar brachten mehrere Tiefdruckgebiete mit westlicher Strömung Schnee in den Hochlagen und Regen in den Tälern. Besonders der Spätwinter brachte im März und Anfang April in den Hochlagen und Tälern noch einmal viel Schnee. Insgesamt betrachtet war es aber nicht nur in Deutschland und Österreich viel zu trocken. Die Schneemächtigkeit im Winter 2016/17 war in den bayerischen und österreichischen Alpen unterdurchschnittlich. In der Westschweiz und im Wallis war der Winter ebenfalls äußerst trocken, dort gab es nur etwa 30 bis 50 Prozent der üblichen Niederschläge. Regional war es der niederschlagsärmste Winter seit 45 bis 55 Jahren. Im Wallis liegt eine vergleichbare Wintertrockenheit 40 Jahre zurück. An der Alpensüdseite wurde ebenfalls nur 35 bis 55 Prozent der normalen Niederschlagsmenge registriert.

Temperatur

Die durchschnittliche Wintertemperatur in Deutschland lag bei 0,9 Grad Celsius (°C) und damit um 0,7 Grad über dem Durchschnittswert in der international gültigen Referenzperiode. Richtig kalt war es im Süden Bayerns zwischen dem 6. und 30. Januar. Die niedrigste Temperatur wurde mit -26,3 °C am 7. Januar in Reit im Winkl gemessen. Allerdings dauerte die Kälteperiode nicht allzu lange, bereits am 23. Februar war es im Süden von Deutschland in Rosenheim mit Föhnunterstützung außergewöhnlich warm. Dort wurde es mit 21,5 °C bundesweit am wärmsten.

Sonnenschein

Im Winter 2016/2017 wurden im bundesweiten Durchschnitt 210 Sonnenstunden gezählt. Das sind 136 Prozent über dem Jahresdurchschnitt von 155 Stunden. Im Süden von Bayern schien die Sonne an manchen Orten mehr als 350 Stunden. Seit dem Beginn der Messungen im Jahr 1951 war es der sonnenscheinreichste Winter. Auch in Österreich und der Schweiz lag die Sonnenscheindauer in den meisten Gebieten über der Norm. In manchen Bergregionen der Schweiz gab es den zweitsonnigsten Bergwinter seit Beginn der Messungen im Jahr 1959. Auch an der Alpensüdseite wurde eine winterliche Sonnenscheindauer zwischen 90 und 110 Prozent über dem Durchschnittswert verzeichnet.

Lawinengefahr 2016/2017

In der Wintersaison 2016/2017 ereigneten sich in den Bergregionen und Skigebieten in Deutschland, Österreich und auch in der Schweiz wesentlich weniger tödliche Lawinenunfälle als in den Jahren zuvor.
Grund dafür ist unter anderem der schneearme Winter, in dem die Gefahrenstufe 1 (gering) fast doppelt so häufig ausgegeben wurde wie in den vergangenen zehn Jahren. Dennoch bedeutet ein schneearmer Winter nicht gleich sichere Verhältnisse und weniger Lawinen. Denn in der dünnen Schneedecke entwickelten sich im Frühwinter schwache Schichten. Dieses Problem tritt immer dann auf, wenn im Frühwinter verhältnismäßig wenig Schnee fällt, und erhöht sich zudem, wenn die Schneedecke über einen größeren Zeitraum weder durch Niederschlag, noch Wind oder Schmelzprozesse verändert wird.

Schwacher Schneedeckenaufbau und kritische Lawinensituationen

Die Schneedecke war im Frühwinter verbreitet schwach und instabil. Durch Neuschnee, Wind und Wärmeeinbrüche verschärfte sich im Januar und Februar die Situation und war für Schneesportler oft heikel. Die teilweise starken Schneefälle und der Regen im März führten zu einer kurzzeitig hohen Lawinengefahr. Ende März war die Lawinensituation meist günstig. Wie üblich stieg das Risiko bezüglich Nass- und Gleitschneelawinen im Tagesverlauf an. Mitte April gab es verbreitet viel Neuschnee, was die Lawinensituation nochmals verschärfte.
Im Januar und Februar wurden die schwachen Schichten in der dünnen Schneedecke bereits durch geringe Belastung gestört. Damit lösten Schneesportler mancherorts relativ leicht Lawinen aus. Der größere Schneefall Anfang März führte dazu, dass zahlreiche teilweise große Lawinen abgingen. Laut Unfallstatistik der Lawinenwarndienste wurden in der Wintersaison 2016/2017 etwa 20 Prozent weniger Personen von Lawinen erfasst. In diesem Winter starben auch nie mehrere Personen in derselben Lawine, was dazu beiträgt, dass die Opferzahl im vergangenen Winter glücklicherweise geringer war als im jährlichen Durchschnitt. Ein weiterer Grund für die geringere Anzahl von Lawinenunfällen könnte auch der immer besser werdende und leichter abzurufende Wetter- und Lawinenlagebericht sein. Die jahrelange Aufklärungs- und Präventionsarbeit sowie vielfältige Ausbildungsangebote zeigen scheinbar Wirkung.
Bei der Analyse fällt allerdings immer noch auf, dass die Ursache von Berg- bzw. Lawinenunfällen größtenteils in einer mangelhaften Tourenplanung, einem schlechten Fitnesszustand und ungenügendem Wissen über die Wetterentwicklung und Lawinengefahr liegt.

Wie war die Verteilung der Gefahrenstufen?

Die kritische Gefahrenstufe 4 (groß) wurde in der Wintersaison 2016/2017 in Deutschland nur einmal ausgerufen. Die Gefahrenstufe 3 (erheblich) wurde 36 Mal, die Gefahrenstufe 2 (mäßig) 52 Mal und die Gefahrenstufe 1 (gering) 30 Mal ausgegeben. Insgesamt wurden 119 Lawinenlageberichte erstellt. Die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2016/2017 unterscheidet sich kaum im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt.
In Österreich wurde die Gefahrenstufe 4 (groß) lediglich zweimal, die Gefahrenstufe 3 (erheblich) 54 Mal, die Gefahrenstufe 2 (mäßig) 52 Mal und die Gefahrenstufe 1 (gering) 8 Mal ausgegeben. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde damit überdurchschnittlich oft die Stufe 3 ausgerufen (meist liegt der Prozentanteil von Stufe 3 etwas über 30%).
In der Schweiz unterschied sich die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2016/2017 deutlich vom langjährigen Mittelwert. Die Gefahrenstufe 1 (gering) wurde fast doppelt so häufig prognostiziert wie in den vergangenen zehn Jahren, die Gefahrenstufen 2 (mäßig), 3 (erheblich) und 4 (groß) wurden dafür weniger oft herausgegeben (rund -20%). Die Gefahrenstufe 4 (groß) wurde an zwölf Tagen für einige Gebiete prognostiziert.

Lawinenunfälle in Deutschland

Nach Aussage der Lawinenwarnzentrale Bayern gab es in diesem Winter keine Lawinentoten in Bayern und nur einen Unfall mit Personenbeteiligung.

Lawinenunfälle in Österreich

In den österreichischen Alpen mussten im Vergleich zur letztjährigen Saison (13 Opfer) drei Lawinenopfer mehr verzeichnet werden. Im Winter 2016/2017 waren es laut den Unfallzahlen im Internet (lawine.tirol.gv.at) in Tirol 14 Todesopfer, in Salzburg und in der Steiermark gab es jeweils einen Lawinentoten.

Lawinenunfälle in der Schweiz

In den Schweizer Alpen liegt die Gesamtopferzahl deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 23 Personen. Im Winter 2016/2017 starben bis Ende April sieben Personen bei Lawinenunfällen. Das entspricht in etwa 65 Prozent weniger als im jährlichen Durchschnitt. Bei den sieben Lawinenopfern handelte es sich um fünf Tourengeher und zwei Variantenfahrer. Insgesamt wurden bis Ende April 148 Personen von Lawinen erfasst.

Wie hoch war das Interesse am Lawinenlagebericht?

Der Lagebericht wurde im Internet (http://www.lawinenwarndienst-bayern.de/) ebenso häufig wie in den vergangenen Jahre aufgerufen. Die Anzahl der Telefonabrufe nimmt ab, der Zugriff über Apps (Warnwetter, Snowsafe, etc.) nimmt dagegen stark zu.

Adressen zu den Lawinenlageberichten

Deutschland: http://www.lawinenwarndienst-bayern.de/
Österreich: https://lawine.tirol.gv.at/home/uebersicht/
Schweiz: http://www.slf.ch/
Südtirol: http://www.bergportal.com/
Italien: http://www.aineva.it

Know-how und Versicherungsschutz

DSV aktiv unterstützt die Lawinenkommissionen, die zum Beispiel Gutachten über die Sperrung von Straßen, Pisten und sonstigen Gebieten bei Lawinen- oder Schneebrettgefahr erstellen und das künstliche Auslösen von Lawinen veranlassen, beim Versicherungsschutz. Genau der wird auch Einzelpersonen empfohlen: Bei aller Vorsicht kann ein Unfall passieren, ein Ski im Gelände verloren gehen. Hier finden Sie alle Informationen zu den Versicherungsangeboten von DSV aktiv.
Die DSV-Skiwacht ihrerseits dient der Sicherheit im organisierten Skiraum. Die „Roten Engel“ unterstützen die Bergwacht in den Rettungsmaßnahmen und sind bei Unglücken schnellstmöglich vor Ort. Spender leisten einen wertvollen Beitrag für die Arbeit der Roten Engel, als „Unterstützer der DSV-Skiwacht“ (Konto „Stiftung Sicherheit im Skisport“ bei der SEB AG Köln, IBAN: DE 12 5122 0200 0063 5730 05, BIC: ESSEDEFFXXX). Die „Stiftung Sicherheit im Skisport“ ist wegen der Förderung des Umweltschutzes und der Unfallverhütung eine Körperschaft i. S. d. § 5, Abs. 1, Nr. 9 des Körperschaftssteuergesetzes. Ihre Zuwendungen sind i. S. d. § 10 b des Einkommenssteuergesetzes in vollem Umfang steuerlich absetzbar. Spender erhalten eine Spendenquittung.

Quellen
http://www.slf.ch/
https://lawine.tirol.gv.at/home/uebersicht/
http://www.lawinenwarndienst-bayern.de/index.php
http://www.dwd.de/DE/Home/home_node.html
http://www.meteoschweiz.admin.ch/home.html?tab=overview
https://www.zamg.ac.at/cms/de/wetter/wetter-oesterreich


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