Die Skibindung ist ein komplexes Gerät, das gleichzeitig zuverlässig halten, aber auch im richtigen Moment auslösen muss. Wir zeigen Ihnen, was neu am Markt ist und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Bindungen für Alpinski erreichen kaum die Aufmerksamkeitsschwelle der Konsumenten, für sie sind sie ein selbstverständlicher Bestandteil der Ski, rund 90 Prozent der Ski werden schließlich als Skibindungspaket verkauft . Eine Auswahlmöglichkeit der Bindung ist regelhaft nicht vorgesehen, die Hersteller betonen die konstruktive Abstimmung von Ski, Montagegrundplatten und Bindung für die Skieigenschaft en. Nur Freeride und Tourenski werden meist „nackt“, ohne Bindung angeboten. Skibindungen funktionieren verlässlich, die Skifahrer vertrauen ihnen und in deren Bewusstsein sind sie der wichtigste Faktor für die Risikominderung beim Skisport.
Das Grundkonzept der Alpinbindungen aller Hersteller ist gereift und wurde „evolutionär“ weiterentwickelt, so Horst Tschida, Tyrolias Produktmanager. Wichtige Merkmale dieser ständigen konstruktiven Verbesserung sind Zentrierung und höhere elastische Rückstellkraft sowohl beim Vorderbacken als auch beim Fersenteil, d. h. der Schuh wird nach Schlägen schnell und präzise in die Ausgangslage zurückgebracht. Das schafft eine bessere Skiführung. Der Grat zwischen Festhalten und Öffnen wird breiter, der Öffnungspunkt genauer bestimmt. Die aktuelle Norm für die Skibindungen beruht ja auf den notwendigen Festhaltekräften, die ein Skifahren ohne Fehlauslösung ermöglichen.

Fast alle Alpinbindungen werden auf einer Grundplatte montiert. Das ermöglicht eine schnelle Montage und Anpassung an die Sohlenlänge. Bei Freeride- und Allmountain-Ski werden die Bindungen direkt auf den Ski geschraubt, der direkte und tiefe Stand auf dem Ski ist vor allem im Gelände vorteilhaft. Die Skihersteller paaren Ski und Bindungen entsprechend der sportlichen Beanspruchung: Die sportlichsten Ski kombinieren sie mit Bindungen größerer Auslösewerte (Z-Wert 12 und höher), für Allrounder genügen geringere  Auslösewerte, ihre Fahrer entwickeln meist geringere Fahrtwucht. Auf die Racer verbauen sie auch stoßdämpfende und höhere Platten, auf denen die Bindung verschraubt ist.

Um die nicht vormontierten Freeride-, Touren- und breiten Allmountain-Ski bewerben sich die Bindungshersteller (zu den mit den Skiherstellern verbandelten kommen noch weitere, z. B. Fritschi) mit einer steigenden Produktpalette. Für komfortablere Aufstiege sind das zumeist von den Tourenbindungen abgeleitete Konstruktionen, für die hohen Belastungen beim Freeriden sind sie deutlich verstärkt.
Ein Beispiel dieser neuen Bindungen ist die Shift-Bindung von Atomic und Salomon. Bei der Shift greifen dornenartige Stifte („Pins“) an der Schuhspitze der Freeride- bzw. Tourenschuhe seitlich in zwei Ösen, dadurch wird das Aufsteigen  ergonomischer. Für die Abfahrt wird der Bindungskopf blitzschnell so verschoben, dass eine sehr stabile Abfahrtsbindung mit Z-Wert 13 entsteht. Die Bindung ist für alle Sohlennormen zertifiziert. Durch die Verwendung von steifen und festen Carbonteilen bleibt das Gewicht bei geringen 1700 Gramm. Carbon und geschmiedetes Aluminium machen auch die Pin-Tourenbindung Alpinist von Marker 335 Gramm federleicht und abfahrtsstabil.

Der Trend hin zu immer stärker gewichtsoptimierten Produkten greift nicht nur im Skitourensegment, sondern hält in den letzten Jahren auch mehr und mehr auf der Piste Einzug. Leichte, aber stabile Bauteile werden besonders für die Lady-Ski-Bindungen verwandt, um das Systemgewicht niedrig zu halten. Aber auch bei den X-Cell-Race-Bindungen von Marker wird das superleichte und feste Magnesium verbaut.

Plattensystem Skibindung

Individualisierte Ski – die Renaissance der Platten

Die Individualisierung der Sportausrüstung macht auch vor dem Skisport nicht Halt. Die Skiindustrie setzt damit einen neuen, wenn auch noch recht kleinen Trend. Nicht nur Rennläufer verlangen ein perfektes Setup von Ski, Schuhen und Bindung, auch ambitionierte Skifahrer wollen eine individuelle, auf persönliche Vorlieben abgestimmte Ausrüstung, wie Hannes Lechner von Marker/Dalbello/Völkl feststellt. Mit verschiedenen unter der Bindung montierten Plattensystemen können die Fahreigenschaften der Ski gezielt beeinflusst werden. Originale Rennplatten aus dem Weltcup, wie sie z. B. Völkl für seine Racetiger-Modelle anbietet, machen den Ski  steifer und sportlicher, die Skireaktion und der Kantengriff nehmen damit deutlich zu.

Eingebaute Stoßdämpfer (bei Platten von Tyrolia, Marker) bewirken größere Laufruhe, Kantengriff und Laufstabilität gerade auch auf eisigen Pisten. Die Standhöhe über dem Ski wird mit Unterlegeplättchen, „Spacern“ erhöht, sodass eine spürbar größere Kurvenlage erzielt wird. Die Standerhöhungen bleiben aber moderat gegenüber den sieben und mehr Zentimeter hohen Plattenpodesten aus den Fun-Carver-Zeiten um das Jahr 2000. Auch die „Sprengung“, die erhöhte Positionen der Ferse oder Schuhspitze werden durch solche „Spacer“ einstellbar, um mehr Druck auf Vorderski (stärkeres Einsteuern) oder Skiende (stabilere Steuerung) individuell einzuregulieren. Diese individuellen, beratungsbedürftigen Konzepte bieten einzelne Spezialisten an, bei den Skiherstellern zu erfragen. Stöckli aus der Schweiz, der dort über zahlreiche eigene Geschäfte verfügt, bietet seine sportlichen Modelle gleich in mehreren Leistungsstufen an, die mittels Spacern und Platten von komfortabel bis sportlich abgestimmt werden können.

GripWalk-Sohlen-Bindungs-System

Einheitliches GripWalk-Sohlen-Bindungs-System

Ganz so neu ist die Idee nicht, schließlich besitzen die Tourenskischuhe schon von jeher eine Bergschuhsohle mit grobstolligem Profil und rutschfesten Gummimischungen.
Der Gewinn für die Skifahrer ist augenscheinlich: Es erhöht den Gehkomfort deutlich und verbessert die Rutschfestigkeit beim Gehen auf allen Untergründen. Die Abfahrtsperformance bleibt ohne Abstriche. Die abgerundete Sohle („Rockerprofil“) ermöglicht auch mit den steifen Skischuhen eine bessere Abrollbewegung und ein annähernd natürliches Gehen. Schon der Weg vom Parkplatz zur Seilbahn wird so weniger gefahrenträchtig. Für die sichere, normgerechte Bindungsauslösung sind Gleitstreifen an den Auflagepunkten zur Bindung eingefügt.

Text: Hubert Fehr
Auszug aus dem DSV aktiv Ski & Sportmagazin 05/2018


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