Sicherheit im Skisport
Skitouren-Know-How: Vom aktuellen Lawinenrisiko über Touren im sicheren Raum bis hin zum richtigen Equipment
Strahlender Sonnenschein und tief verschneite Gipfel – den Alpenregionen steht nach den massiven Regen- und Schneefällen ein absolutes Traumwetter bevor. Hinter der Postkartenidylle verbirgt sich jedoch eine hochgradig lebensgefährliche Lawinenlage abseits der gesicherten Pisten. Bereits in den vergangenen Tagen kam es zu zahlreichen tragischen Unglücken in Österreich, der Schweiz und Deutschland mit mehreren Todesopfern. Die Experten des Deutschen Skiverbandes warnen eindringlich vor Leichtsinn. DSV aktiv Sicherheitsexperte Konstantin Lanzl appelliert: „Die aktuelle Wetterlage ist besonders aus psychologischer Sicht gefährlich. Die Vorhersage von strahlendem Sonnenschein für die kommenden Tage gepaart mit den Schneemassen wirkt wie ein Startschuss für viele Tourengeher und Skifahrer, die am liebsten abseits der gesicherten Pisten unterwegs sind. Doch genau jetzt ist das Risiko, eine Lawine auszulösen immens, da die Schneedecke extrem instabil ist. Bevor sich Wintersportler ins Gelände wagen, müssen sie den offiziellen Lawinenlagebericht (LLB) nicht nur lesen, sondern auch verstehen und die eigene Planung konsequent an die Gefahrenstufe anpassen. Ein „das wird schon gehen“ kann sonst tödlich enden. Gefährdet wird im Ernstfall nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der Rettungskräfte, die sich bei der aktuellen Warnlage selbst in höchste Lebensgefahr bringen. Lawinenabgänge während einer Bergung sind ein reales Risiko für die Bergwacht!“
Auch Touren in den frühen Morgenstunden sind aktuell kein Sicherheitsgarant
Da der Schnee momentan über Nacht nicht durchfriert, sind auch Touren am Morgen äußerst riskant. Zum einen verhinderte die Wolkendecke der letzten Tage, dass die Schneedecke nachts Wärme abstrahlen und gefrieren konnte. Zum anderen hat der Wind den Neuschnee in Mulden und Rinnen verfrachtet. Diese Triebschneepakete sind hochgradig instabil und können bereits mit den ersten Sonnenstrahlen oder durch das Gewicht eines einzelnen Skifahrers ohne Vorwarnung abrutschen. Eine detaillierte Beschreibung, von welchen Faktoren die Lawinengefahr abhängt und wie schnell sie sich ändern kann, ist im DSV-Expertentext „Richtige Einschätzung der Lawinengefahr“ zu finden.
Skitouren auf der Piste: Sicher & ökologisch
Wer einmal Skitourenluft geschnuppert hat, möchte das Erlebnis meist nicht mehr missen. Auch wenn das freie Gelände lockt, ist das Aufsteigen am Pistenrand mit Blick auf Sicherheit, Ökologie und das Miteinander am Berg die klügere Wahl. Während im Gelände jede Tour eine komplexe Risikoanalyse von Hangneigung, Windverfrachtungen und Schneeschichten erfordert, werden Pisten gesichert (in Deutschland u. a. durch die DSV-Skiwacht). Wer z. B. als Einsteiger oder bei kritischen Lawinenwarnstufen auf markierten Routen bleibt, minimiert das Risiko, von einer Lawine überrascht zu werden.
Hinzu kommt: Skitouren im freien Gelände sind oft Stress für die Tierwelt, auch wenn man sich noch so leise fortbewegt. Aufgescheuchte Wildtiere verbrauchen im Winter lebensnotwendige Energie. Daher sollten ihre Rückzugsräume möglichst unberührt bleiben.
Rücksichtnahme: Fairplay im Aufstieg
Damit das Miteinander von Skifahrern und Tourengehern funktioniert, sind klare Regeln notwendig, an die sich Bergsportler unbedingt halten sollten. Hierzu gehören unter anderem:
- Pistenrand nutzen: Der Aufstieg erfolgt grundsätzlich nur am äußersten Pistenrand und nicht nebeneinander.
- Sichtbarkeit: Besonders in der Dämmerung sind Stirnlampen und reflektierende Kleidung Pflicht, um Kollisionen zu vermeiden.
- Gefahrenstellen meiden: Kuppen, enge oder unübersichtliche Abschnitte immer mit Bedacht passieren oder zügig verlassen.
Engagement: Skigebiete ermöglichen oft Wintersport für alle
Viele Skigebiete haben sich nach dem Skitourenboom während der Coronazeit viele Gedanken darüber gemacht, wie der Wintersport auf den vorgesehenen Flächen gebündelt werden kann und sich Tourengeher von Skifahrern gelichzeitig separieren lassen. Entstanden sind Routen, die durch den Wald oder über die eigentlichen Sommerwanderwege zum Ziel führen und sowohl Naturerlebnis als auch eine sichere Umgebung bieten.
Ein weiterer Trend sind sogenannte Skitourenparks, die es u. a. in Österreich im Gebiet Zahmer Kaiser, in St. Johann in Tirol, am Pitztaler Gletscher, in Puchberg am Schneeberg, in Saalfelden sowie auf deutscher Seite am Jenner, beim Eckbauern in Garmisch-Partenkirchen und am Tegelberg im Ostallgäu gibt.
Wer die Abendstimmung nutzen will, erkundigt sich nach offiziell ausgewiesenen Tourenabenden der Skigebiete und trägt zur eigenen Sicherheit stets eine eingeschaltete Stirnlampe sowie reflektierende Kleidung. Außerhalb dieser offiziellen Abende muss strikt auf die Pistenpräparierung Rücksicht genommen werden, die ab ca. 17:00 Uhr beginnt. Da Pistenraupen häufig mit unsichtbaren Seilwinden arbeiten, die bis zu einem Kilometer weit reichen können, besteht bei Missachtung akute Lebensgefahr.
Die richtige Ausrüstung fürs Tourengehen
Zur Grundausstattung gehören neben speziellen Tourenskiern, Tourenschuhen, einer speziellen Bindung auch Steigfelle und Harscheisen. Tourenskier sind heute aber nicht mehr gleich Tourenskier. Ähnlich wie bei Alpin-Skiern gibt es auch hier für jeden Fahrstil unterschiedliche Modelle, von breiten Freeride-Skiern bis hin zu ultraleichten Latten. Die über 1.100 DSV aktiv-Partner im Sporthandel informieren kompetent über das große Angebot an Tourenskiern. Hier geht es außerdem zu den Tourenski, die beim DSV skiTEST 2025/2026 überzeugen konnten.
Unbedingt dabei sein sollten bei jeder Tour im Gelände ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), eine Lawinenschaufel und eine Lawinensonde sowie gegebenenfalls ein ABS-Rucksack. Diese Rettungsausrüstung gehört dabei aber nicht nur ins Gepäck, sondern sollte auch von jedem Tourengeher und Variantenfahrer korrekt anwendet werden können und vor dem Start gecheckt werden.
Skitouren-Touren ABC
Was gehört in den Rucksack, worauf gilt es in der Vorbereitung zu achten und mit welcher Ausrüstung und Technik kommen Wintersportfreunde auf Touren? Das Skitouren-ABC von DSV aktiv gibt Tipps.
Sicher on Tour
Mit den DSV-Mitgliedschaftspaketen inkl. Versicherungsschutz sind Skitourengeher bei Bergungskosten und Materialschäden umfassend abgesichert. Neben dem Schutz bei Diebstahl oder Bruch der teuren Ausrüstung beinhalten die Pakete auch Haftpflicht- sowie Rechtsschutz für Zwischenfälle bei der Ausübung des Wintersports. Dank der Übernahme teurer Hubschraubereinsätze im freien Gelände minimiert die Versicherung finanzielle Risiken abseits der Piste.
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