Sicherheit im Skisport
Entscheidende Parameter: Richtige Einschätzung der Lawinengefahr
Neuschnee, Sturm und die für die nächsten Tage vorhergesagten milden Temperaturen verschärfen aktuell die Lawinengefahr für viele alpine Regionen. Am vergangenen Wochenende stieg sie oberhalb der Waldgrenze (ca. 1.500-2.000 Meter) zeitweise auf Stufe 5 von 5. Auch unterhalb bleibt die Gefahr von Lawinenabgängen mit Stufe 3 erheblich.
„Der momentane Triebschnee stellt abseits der gesicherten Pisten ein immenses Sicherheitsrisiko dar. Dabei handelt es sich um lockeren, oberflächlichen Schnee, der quasi weggeweht und an anderer Stelle abgelagert wird. Man kann sich das so vorstellen, dass sich der Schnee überhaupt nicht miteinander verbindet und schon durch geringste Belastungen in Bewegung geraten kann. Ist der Fall, zieht er riesige Mengen Schnee mit, die sich mit unvorstellbarer Kraft und Geschwindigkeit bergab wälzen," erklärt Konstantin Lanzl, DSV aktiv-Sicherheitsexperte.
Er appelliert: „Bergsportler und hier insbesondere Tourengeher, Schneeschuhwanderer sowie Freerider sollten den aktuellen Lawinenlagebericht ohnehin immer und ausnahmslos vor jedem Aufstieg prüfen. Ist die Wetterlage von solch massiven Temperatur- und Niederschlagsschwankungen geprägt, wie sie derzeit herrschen, ist dies unerlässlich. Im Falle eines Abgangs bringt man nicht nur sich und andere Wintersportler, sondern auch die Bergwacht sowie sämtliche Rettungskräfte in höchste Lebensgefahr."
Wie die Lawinensituation grundsätzlich und in markanten Zeiten richtig einzuschätzen ist, darüber informiert dieser DSV aktiv-Ratgeber.
Lawinenlage: Entscheidend sind Wetter und Schneedecke
Immer öfters wagen sich auch Anfänger ins freie Gelände. Doch Vorsicht: Wer sich nicht mit den Begebenheiten abseits der Piste auskennt und über keine richtige Ausrüstung verfügt, sollte lieber auf der Piste bleiben. Denn mit jedem Neuschneezuwachs und je nach Wetterlage steigt die Gefahr von Lawinenabgängen. Besondere Vorsicht ist während und nach dem Schneefall bei starkem Wind, tiefen Temperaturen, aber auch Warmluft und Sonneneinstrahlung geboten.
Für alle, die für den Winterurlaub von unberührten Hängen, frischem Pulverschnee, Freeriden oder einer Skitour bei blauem Himmel und Sonnenschein träumen, hat Rolf Frasch von der Bergwacht Lenggries einen wichtigen Rat: „Die Lawinenlage kann sich je nach Wetterlage extrem schnell ändern. Deshalb ist es wichtig und absolut unerlässlich, sich immer den örtlichen Lawinenlagebericht anzuschauen!“
Unbedingt lesen: Lawinenlagebericht und Wetterbericht
Für Freerider, Skitourengeher oder Schneeschuhwanderer ist die richtige Vorbereitung für die Bergtour deshalb lebenswichtig. Zum Pflichtprogramm gehört das Studieren des Lawinenlageberichts (LLB), der vom Lawinenwarndienst Bayern tagesaktuell für die Bayerischen Alpen herausgegeben wird sowie der Wettervorhersagen. In zertifizierten Skigebieten hängt der Lagebericht außerdem aus. Abrufbar ist er zudem über Apps wie SnowSafe oder die Warn-App des Deutschen Wetterdienstes. Für weitere europäische Skigebiete finden sich unter www.avalanches.org/ die entsprechenden Informationen in englischer Sprache.
Lawinenwarnstufen: ab Stufe 3 ist Vorsicht geboten
1, 2, 3, 4, 5 – die Bedeutung dieser Zahlen sollte jeder Skifahrer, Tourengeher und Schneeschuhwanderer, der sich abseits der Piste bewegt, kennen. Die Zahlen geben Aufschluss über die Stabilität der Schneedecke – und gelten europaweit. Mit erhöhter Gefahr ist bereits ab Stufe 3 zu rechnen - hier passieren die meisten Lawinenunfälle.
Alpine Gefahren – auch in den Mittelgebirgen
Nicht nur in den Alpen selbst, sondern auch im Voralpenland und in deutschen Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald steigt die Lawinengefahr im Winter immer wieder an. Vor allem die Kombination aus viel Schnee, Wind und Temperaturschwankungen können das Risiko innerhalb kürzester Zeit massiv erhöhen. Äußerst kritisch sind dann unter anderem durch verfrachteten Triebschnee eingewehte Bereiche, Rinnen und Mulden. Hier reichen bereits minimale Auslöser für einen Lawinenabgang.
Je steiler der Hang, desto größer die Lawinengefahr
Wer sich abseits der Piste bewegt, geht immer ein Risiko ein – auch mit einer sehr guten Vorbereitung. Die meisten Lawinen lösen Freerider, Tourengeher oder Skifahrer selbst aus. Ein Lawinenabgang wird durch verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel die Schneedecke und den Hang, beeinflusst. Es empfiehlt sich, die Hangneigung zu Hause schon mit einer topografischen Karte zu schätzen. Freerider und Variantenfahrer tummeln sich zumeist in Rinnen und Abfahrten, die zwischen 25 und 40 Grad steil sind. Hier können fast alle Lawinenarten auftreten. Typische Skifahrerlawinen sind die sogenannten Schneebrett- und Lockerschneelawinen.
Lawinenunfall bedeutet Lebensgefahr
Lösen sich ein Schneebrett oder eine Lawine, gibt es für Skifahrer nur eine Lösung: Versuchen, so schnell wie möglich seitlich aus der Gefahrenzone rauszufahren. Gelingt dies nicht, ist es wichtig vor dem Stillstand der Schneemassen die Arme schützend vor das Gesicht zu nehmen, um eine Atemhöhle zu schaffen. Wer einen ABS-Rucksack trägt, löst den Airbag aus. Für die Verschütteten-Suche bleibt im Notfall nicht viel Zeit. Entscheidend ist die erste Viertelstunde.
Nie ohne LVS-Geräte, Sonde und Schaufel
Schaufel und Sonde gehören als Grundausstattung in jeden Rucksack. Und natürlich: das LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät). Es sollte immer eingeschaltet am Körper getragen werden. Doch das LVS-Gerät nur dabeihaben, reicht nicht aus. Wer sich abseits der Piste bewegt, muss im Fall der Kameradensuche mit dem LVS-Gerät, der Sonde und der Schaufel umgehen können.
Der Piepser hilft, verschüttete Personen schnellstmöglich zu orten. Die Lawinensonde mit einer Länge von etwa drei Metern dient zur Feinsuche und zur Bestimmung der Tiefe des Verschütteten. Mit Hilfe der Schaufel werden Verschüttete vorsichtig ausgegraben. Am effektivsten sind Schaufeln aus Metall, Aluminium oder Blech. Für Sonde und geeignete Schaufel müssen Freerider und Tourengeher mit Kosten von jeweils 30 bis 50 Euro rechnen. Alle Geräte – Piepser, Sonde und Schaufel – können aber auch geliehen werden.
DSV aktiv rät, die Suche nach Verschütteten regelmäßig zu üben. Jeder Handgriff muss sitzen, um Leben zu retten. Praxiskurse, wie sie vom Deutschen Skiverband, dem Alpenverein, Bergführern, Skischulen oder Skivereinen angeboten werden, sind daher für Skitourengeher und Freerider unerlässlich!
Skiversicherungsschutz
Bei einem Lawinenabgang kann jede Sekunde lebensrettend sein. Umso wichtiger ist es, umgehend die Bergrettung unter der internationalen, europäischen Notrufnummer 112 (gilt für alle EU-Länder sowie für viele nicht-EU-Länder, wie z. B. die Schweiz) zu informieren. Die hohen Kosten für Bergung und Rücktransport werden in der Regel nicht von den gängigen Versicherungen oder von der eigenen Krankenkasse übernommen. Skifahrer und Wintersportler wie z. B. Schneeschuhwanderer oder Tourengeher, sollten es auf keinen Fall versäumen, für solche Situationen und Rettungsaktionen vorzusorgen. DSV-Mitgliedschaftspakete decken Versicherungsfälle bei der unmittelbaren Ausübung des Wintersports ab und beinhallten Haftpflicht-, Kranken-, Rechtsschutz- und Unfallversicherung (einschließlich Bergungskosten). Außerdem greifen sie bei Bruch und Beschädigung an Ski und Snowboards (gilt auch für Tourenski sowie Skifelle und unabhängig davon, ob Mitski oder die eigenen Bretter betroffen sind).
Foto: Olga v. Plate
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