Spätsommer am Berg: Wenn Hitze und Trockenheit die Spielregeln ändern
Sie gelten als die schönste Wanderzeit – die Spätsommer- und Herbstwochen. Die Hitzewellen und Trockenheit der letzten Monate könnten allerdings neue Spielregeln schreiben, auf die Bergliebhaber in diesem Jahr ganz besonders achten sollten. Insbesondere dann, wenn es höher hinaus geht oder längere Touren geplant sind. Damit die Bergwacht nicht aus purem Leichtsinn ausrücken muss, sollte nicht nur das Equipment-Einmaleins in den Mittelpunkt rücken, das ausführlich in Erlebnis Berge Teil 1 und Erlebnis Berge Teil 2 zu finden ist, sondern auch der Blick auf Wasser, Wetter und Gelände.
Wie viel Wasser gehört bei Trockenheit in den Rucksack?
Kurz gesagt: Mehr, als man denkt und mehr als früher. Wer in diesem Jahr eine Weitwanderung oder eine längere Tour plant, sollte unbedingt vorab nachfragen, ob Hütten, die auf der Route passiert werden, Trinkwasser rationiert haben. Denn in vielen Teilen der Alpen werden Quellen und Zisternen knapp. Auch heimische Schutzhütten, wie zum Beispiel im Berchtesgadener Land, mussten bereits die Wasserhähne drosseln. Trinkwasser wird dort teils per Hubschrauber heraufgeflogen. Einige Hütten in Südtirol und den Dolomiten haben das Auffüllen von Trinkflaschen sogar ganz eingestellt. Wann sich die Situation entspannen wird, hängt von den Niederschlagsmengen und Temperaturen der nächsten Wochen und Monate ab. Klar ist, ein paar kräftige Regen- und Gewitterschauer reichen nicht aus. Also: eigenen Vorrat einpacken – lieber einen halben Liter zu viel als einen zu wenig und trinken, bevor der Durst kommt.
Worauf kommt es beim hochalpinen Wandern im Spätsommer und im Herbst an?
Wer schon im Frühjahr auf eine große Tour hintrainiert hat und von der Hitze ausgebremst wurde, will im kühleren Spätsommer endlich hoch hinaus. Verständlich. Nur hat die lange Wärmeperiode nicht nur das eigene Training verlangsamt, sondern auch die Bedingungen im hochalpinen Gelände verändert. Besonders heikel wird es, wo Touren über einen Gletscher führen, zum Beispiel auf die Zugspitze. Mit dem Nördlichen Schneeferner und dem Höllentalferner liegen hier noch echte Gletscherreste. Im Spätsommer ist der Schnee dort ohnehin meist verschwunden, übrig bleibt steiles, blankes Eis und mit fortschreitender Ausaperung öffnen sich immer mehr Gletscherspalten. Wer solch ein Ziel vor Augen hat, sollte die Frage „Bin ich wirklich gut genug vorbereitet“ ehrlich beantworten. Im Zweifel lieber eine gletscherfreie Alternative wählen oder genau wissen, wann es keinen Zentimeter mehr ohne Steigeisen und Pickel weiter geht. Ein absolutes No-Go: Eine Gletscher- oder hochalpine Tour angehen wie eine gewöhnliche Wanderung, nur weil die Kondition stimmt.
Warum steigt im heißen Spätsommer das Steinschlag-Risiko?
Mit Steinen von oben muss man am Berg immer rechnen. In großer Höhe kommt noch ein Klima-Faktor dazu: Oberhalb von rund 2.500 bis 3.000 Metern werden ganze Wände durch gefrorenes Eis in den Felsspalten (der sogenannte „Permafrost“) zusammengehalten, das wie ein Kleber wirkt. Taut dieser Kleber in langen Hitzeperioden auf, verlieren die Gesteinsblöcke ihren Halt. In steilem, felsigem Gelände und in Rinnen sollte man daher äußerst aufmerksam unterwegs sein, Helm nicht vergessen und früh am Tag gehen. Denn über Nacht kühlt der Fels, die Steinschlag- und Felssturzgefahr ist dann tendenziell geringer ist als in der prallen Nachmittagssonne.
Was ändert sich am Timing?
Die Tage werden merklich kürzer – wer im September zu spät startet, wandert plötzlich im Dunkeln. Deshalb: früh los, Stirnlampe einpacken, eine Umkehrzeit festlegen. Und auch wenn es im Tal noch sommerlich ist: In der Höhe kann das Wetter blitzschnell umschlagen. Ein Blick auf die aktuelle Wettervorhersage und eine zusätzliche wirklich warme Schicht im Rucksack gehören neben der Regenbekleidung zu jeder Spätsommer- und Herbsttour.
Worauf sollten Wanderer nicht nur bei Trockenheit achten?
Die Berge sind in diesem Jahr besonders trocken. Behalten die Prognosen recht, bleibt das bis in den Herbst hinein so. In so einer Lage genügt manchmal wenig, damit aus einem Funken ein Feuer wird. Daher gilt: Alles, was auf den Berg mit raufgenommen wird, geht auch wieder mit runter. Das gilt erst recht für den eigenen Abfall. So einige Bergfreunde haben es sich mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, auf ihren Wanderungen liegengebliebenen Müll mitzunehmen. Glas, Folie und Plastik überdauern hier oben Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Zigarettenstummel sind der häufigste Müll am Berg: Ein einziger verunreinigt bis zu 60 Liter Wasser. Wer raucht, drückt die Kippe sicher aus und nimmt sie mit. Achtlos weggeworfen gilt sie als die größte Brandgefahr.
Mitgliedschaften mit Zusatzversicherungen für den Sommersport
DSV aktiv bietet innerhalb seiner Mitgliedschaften inkl. Versicherungspaket auch Zusatzversicherungen, wie z.B. die 4-Jahreszeiten Combi. Dank ihr gilt die bewährte DSV aktiv-Sicherheit auch für alle Sommersportarten. Ganz einfach zum DSV CLASSIC-Versicherungspaket oder DSV CLASSIC PLUS-Versicherungspaket für Familien zubuchbar.
Schon versichert?
Jetzt die richtige Versicherung für Ihren Urlaub auswählen ... mehr
